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Leiche der kleinen Rose gefunden

Im schwarzverseuchten Dreckswasser des Jarkonflusses im Norden von Tel Aviv haben Taucher der Polizei nach über einem Monat intensiver Suche offenbar die Leiche der 4-jährigen Rose Pisam gefunden. Der Mordfall erregt die israelische Öffentlichkeit so sehr, dass Zeitungen Sonderausgaben gedruckt haben. Am Donnerstag Mittag, als die Taucher endlich einen bordeauxroten Reisekoffer mit Rollen aus dem Wasser zogen, unterbrachen Fernsehen und Radio ihre Programme, um zu berichten...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 11. September 2008

Rose Pisam ist mutmaßlich von ihrem eigenen Großvater Roni ermordet worden. Er habe ihr in seinem Auto einen „Flick“, also einen starken Stoß, gegeben, „weil sie nervte“. Als danach ihr Kopf „eigentümlich baumelte“, habe er das Mädchen in einen Koffer gepackt und in den Jarkonfluss geworfen. So eines der widersprüchlichen Geständnisse des Großvaters. Der hat inzwischen eine Liebschaft mit der 23-jährigen Marie Charlotte, seiner Schwiegertochter und die Mutter der kleinen Rose begonnen. Ronis Sohn Benjamin, der Vater von Rose und Ehemann von Marie-Charlotte lebt in Paris. Die komplizierten Familienverhältnisse hatten dazu geführt, dass „niemand das Mädchen wollte“. Photos der kleinen Rose, in Frankreich geboren und aufgewachsen, zeigen traurige Augen. Sie hatte sich in Israel mangels Sprachkenntnissen nicht zurecht gefunden und war zudem von der eigenen Familie verstoßen.

Die Suche nach dem Koffer dauerte 34 Tage, obgleich er nur 500 Meter von der Stelle entfernt gefunden wurde, wo der Großvater ihn nach eigenen Angaben in den Fluss geworfen habe. Die Polizeitaucher hatten anhand von Handygesprächen an dem Mordabend den Weg des mutmaßlichen Mörders zurückverfolgt. Zeitweilig wurde überlegt, den Fluss zu stauen und dann abzupumpen, um besser das Flussbecken zu durchsuchen, denn sein Wasser ist völlig undurchsichtig und mit Industrieabfällen hochgiftig versucht.

In dem „schrecklich stinkenden“ Koffer fand die Polizei nach eigenen Angaben einen Schädel, kleine Knochen und „weitere Gegenstände“, vermutlich Spielzeug des Mädchens. Ein Polizeioffizier erklärte, dass Rose möglicherweise noch lebte und atmete, als der Großvater das bewusstlose Mädchen im Koffer in den Fluss warf.

Schon vor dem Fund der mutmaßlichen Leiche des Mädchens galt der in den Medien als „grausam und kaltblütig“ dargestellte Großvater als der Mörder, obgleich noch keine Anklageschrift aufgesetzt worden ist. Unklar ist die Rolle der Mutter. Bei einem Polizeitermin am Strand von Tel Baruch während der Suche nach dem Koffer habe sie „eisern geschwiegen und ständig gelächelt“. Offenbar hatte die Polizei sie bewusst zu einer Stelle im Norden von Tel Aviv gebracht, wo der Koffer nicht einmal vermutet wurde, um die Frau irre zu führen. Sollte auch die Mutter in den Verdacht geraten, an dem Mord beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben, könnten ihre Rechtsanwälte dieses Lächeln als ein „Zeichen ihrer Unzurechnungsfähigkeit“ benutzen. Die Mutter hatte erst kürzlich gegenüber Angehörigen und Nachbarn das Verschwinden des Kindes mit dessen Verschickung in ein Kinderheim in Frankreich erklärt.

Der Fall des Verschwindens der kleinen Rose schon vor mehreren Monaten wurde erst vor vier Wochen von der Polizei zur Veröffentlichung freigegeben. In der Zwischenzeit gab es in Israel noch drei weitere Fälle von Mord an Kleinkindern durch deren Mütter. Da der Alltag in Israel zur Zeit von keinen größeren militärischen oder politischen Ereignissen überschattet ist, wird leidenschaftlich über die Häufung von Kindesmord und deren Ursachen diskutiert. Der Schock sitzt tief, zumal die Israelis als sehr kinderlieb gelten und die Kinder von der Geburt an in ein recht gut funktionierendes Netz ärztlicher und sozialer Betreuung eingebettet sind.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Category: Gesellschaft
Posted 09/11/08 by: admin



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